ao. Univ.-Prof. Dr. Florian Menz - Nachruf

04.09.2017

Nachruf

 

Zu unserer großen Bestürzung ist unser lieber Kollege und Freund Florian Menz am Freitag, dem 30. Juni 2017, nach kurzer schwerer Krankheit viel zu jung verstorben. Wir trauern um einen guten Menschen, um einen hochgeschätzten Kollegen und Lehrenden und um einen international angesehenen Wissenschaftler.

Florian Menz wurde im Jahr 1960 in Bozen, Südtirol, geboren. Als Sohn einer Ärztefamilie kam er bereits früh mit der Domäne in Berührung, der er später als Sprachwissenschafter größtes Interesse widmen sollte: der Medizin. Nach der Matura im Franziskanergymnasium in Bozen, die er mit der höchstmöglichen Punktezahl absolvierte (60 von 60 – ein ganz außerordentliches Ergebnis), studierte Florian Menz Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Wien und an der Freien Universität Berlin. Schon als Student arbeitete er an wissenschaftlichen Forschungsprojekten mit.

Bereits mit seiner 1989 fertiggestellten und 1991 bei Lang publizierten Dissertationsschrift Der geheime Dialog. Medizinische Ausbildung und institutionalisierte Verschleierungen in der Arzt-Patient-Kommunikation legte Florian Menz ein grundlegendes Werk zu dem Themenbereich vor, für das er international und weit über die Grenzen des Fachs hinaus bekannt werden sollte: der organisationellen Kommunikation, spezifisch in der bereits erwähnten medizinischen Domäne. Dabei war er seit Mitte der 1980er-Jahre am Aufbau einiger Teamprojekte beteiligt. Für das Projekt Alltag in der Ambulanz, das 1990 als Buch publiziert wurde, erhielt das Projektteam, dem Florian Menz angehörte, 1989 sogar den renommierten Pharmig-Preis der Österreichischen Ärztekammer. Seine zahllosen Arbeiten und die von ihm geleiteten und mit unterschiedlichen Teams durchgeführten interdisziplinären Forschungsprojekte zur Arzt-Patient-Kommunikation, zum Sprechen über Schmerzen, zu Migration und medizinischer Kommunikation, zu Psychiatrie und Kommunikation sind bahnbrechend und beispielgebend für eine praxisorientierte Angewandte Sprachwissenschaft, die dennoch immer stark theoriegeleitet verblieb.

Im Jahr 1999 habilitierte Florian Menz sich mit der Schrift „Was soll denn das Chaos?“ Selbst- und Fremdorganisation durch Kommunikation in Wirtschaftsunternehmen, die ein Jahr später unter dem Titel Selbst- und Fremdorganisation im Diskurs. Interne Kommunikation in Wirtschaftsunternehmen im Deutschen Universitätsverlag veröffentlicht wurde. Noch im Jahr der Habilitation wurde Florian Menz zum Außerordentlichen Universitätsprofessor für Angewandte Sprachwissenschaft ernannt. Bis zuletzt arbeitete er in dieser Position am Wiener Institut für Sprachwissenschaft.

Im Bereich der organisationellen Kommunikation legte Florian Menz neben der Dissertation und der Habilitationsschrift zahlreiche wegweisende Arbeiten vor, vielfach in interdisziplinärer Zusammenarbeit, darunter das gemeinsam mit Heinz K. Stahl herausgegebene Handbuch Stakeholderkommunikation (2008, 2. Aufl. 2014). Auch wenn die institutionelle bzw. organisationelle Kommunikation zweifellos das wichtigste Arbeitsfeld war, war es allerdings keinesfalls das einzige. Ganz im Gegenteil: Florian Menz bearbeitete das Feld der Angewandten Sprachwissenschaft umfassend. Das beeindruckende wissenschaftliche Oeuvre, das er hinterlässt, kann hier nicht umfassend dargestellt werden. Allein die Bibliographie des Österreichischen Bibliotheksverbunds verzeichnet 170 wissenschaftliche Publikationen von Florian Menz. Viele davon hat er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen verfasst, denn er war ein Teammensch, viele davon mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fächern, denn Interdisziplinarität war ihm mehr als ein schickes Etikett.

Die Diplomarbeit von Florian Menz war der Sprachlehrforschung gewidmet, der soziolinguistischen Analyse von Schüleraufsätzen. Seine zahlreichen kritisch-diskursanalytischen Arbeiten befassen sich unter anderem mit Sprache und Ideologie bzw. mit Sprache und Vorurteil, wobei er gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der „Wiener Kritischen Diskursanalyse“ immer wieder den Finger auf neuralgische Punkte des gesellschaftlichen und politischen Diskurses in Österreich gelegt hat. Beispiele hierfür sind Arbeiten zum Diskurs über Kärntner Slowenen, zum Nationalismus, zur diskursiven Konstruktion von Gedenken und Vergangenheit sowie zum sprachenpolitischen Umgang mit sog. ‚Minderheiten‘, insbesondere der Roma und Sinti. Sehr am Herzen lagen Florian Menz stets auch die Methoden einer interdisziplinären angewandten Sprachwissenschaft, ein Bereich, den er auch in der Lehre stets sehr betonte.

Florian Menz war ein engagierter und beliebter Hochschullehrer. Die Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit, mit denen er sich den Fragen, Ideen und Anliegen der Studierenden widmete, waren außerordentlich. Die Förderung von jungen Nachwuchswissenschafter/inne/n in seinen Forschungsprojekten, aber auch schon in den Proseminaren und Seminaren, war Florian Menz sehr wichtig.

Nicht nur in der Angewandten Sprachwissenschaft hinterlässt Florian Menz eine große Lücke. Wenn er – seinem interdisziplinären Zugang verpflichtet – etwa vor Medizinern und Medizinerinnen oder Juristen und Juristinnen Vorträge hielt, an Tagungen, an Podiumsdiskussionen teilnahm, waren die Menschen beeindruckt nicht nur von seinen Forschungen, sondern auch von seiner überzeugenden und gewinnenden Art, seine Wissenschaft zu vermitteln. Florian Menz war auch ein ganz besonders guter Fort- und Weiterbildner. Gut zwanzig Jahre lang hielt er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einmal im Jahr ein immer ausgebuchtes Wochenseminar für Lehrer/innen und andere Berufsgruppen zum Thema „Sprache und Macht/Sprache und Politik“.

Seit 2014 war Florian Menz Institutsvorstand des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Die umgängliche und professionelle Art, in der er das Institut geleitet hat, immer an Konsens, an flachen Hierarchien und effizientem Umgang mit den Mitteln orientiert, hat uns beeindruckt. Das Institut wurde von ihm nachhaltig geprägt, die Lücke, die er hinterlässt, ist groß.

Florian Menz hinterlässt eine Frau und drei Töchter, drei Brüder und seine Eltern.

Wir trauern um einen Kollegen von großem Format. Und wir trauern um einen wunderbaren, solidarischen und sehr humorvollen Freund.

Im Namen des Wiener Instituts für Sprachwissenschaft

Rudolf De Cillia
Helmut Gruber
Johanna Lalouschek
Jürgen Spitzmüller
Eva Vetter
Ruth Wodak


 Obituary

 

It was with great sadness that we learned of the passing of our dear colleague and friend Florian Menz on Friday, 30 June 2017. After short and severe illness, he passed away much too early. We grieve for a wonderful human being, for a much appreciated colleague and teacher, and for an internationally respected researcher.

Florian Menz was born in 1960 in Bolzano, South Tyrol. Born into a family of doctors, he came in touch early with the domain that he – as a linguist – should later devote his greatest interest to: medicine and doctor-patient communication. After graduating from the Franciscan Gymnasium in Bolzano, which he did with the highest possible number of points (60 of 60 – a truly remarkable result), Florian Menz studied General and Applied Linguistics at the University of Vienna and Freie Universität Berlin. Even as a student, he already contributed to research projects.

His PhD thesis completed in 1989 and published with Peter Lang in 1991 – Der geheime Dialog. Medizinische Ausbildung und institutionalisierte Verschleierungen in der Arzt-Patient-Kommunikation [The Secret Dialogue. Medical Training and Institutionalized Opaqueness in Doctor-Patient Communication] – already constituted a ground-breaking contribution to the field of research that Florian Menz would become best known for, internationally and far beyond the boundaries of linguistics: organizational communication, specifically in the domain of medicine. Since the mid-1980s, he contributed to several team research projects. Indeed, one of these, the project Alltag in der Ambulanz [Business as Usual in the Outpatient Clinic] which was published as a monograph in 1990, was even awarded the renowned Pharmig-Award of the Austrian Medical Association. His countless publications and the interdisciplinary research projects – led by him as PI and conducted with varying teams – on doctor-patient communication, to psychiatry and communication are exemplary for an application-oriented, yet theory-driven understanding of Applied Linguistics.

In 1999, Florian Menz qualified as a professor with the habilitation thesis “Was soll denn das Chaos?” Selbst- und Fremdorganisation durch Kommunikation in Wirtschaftsunternehmen [“What is the Point of all this Chaos?” Self- and External-Organisation through Communication in Business Enterprises], published with Deutscher Universitätsverlag a year later as Selbst- und Fremdorganisation im Diskurs. Interne Kommunikation in Wirtschaftsunternehmen [Self- and External-Organisation in Discourse. Internal Communication in Business Enterprises]. In the same year as his habilitation, Florian Menz was promoted to Außerordentlicher Universitätsprofessor [Associate Professor] for Applied Linguistics. He continued to work in this position at Vienna University’s Department for Linguistics until his death.

Beside his PhD and habilitation theses, Florian Menz contributed numerous groundbreaking publications to the field of organizational communication, many of them in interdisciplinary cooperation, including the Handbuch Stakeholderkommunikation [Handbook Stakeholder-Communication] (2008, 2nd edition 2014), which he co-edited with Heinz K. Stahl. Although institutional or organizational communication was clearly his most important field, it was by no means the only one. Quite to the contrary, Florian Menz’s research covers a wide range of fields in Applied Linguistics. His impressive academic oeuvre cannot be presented exhaustively here. The bibliography of the Austrian Library Network alone lists 170 academic publications by Florian Menz, many of them co-authored with colleagues, for he loved working in teams, often with colleagues from other fields, because interdisciplinarity was more to him than a fashionable label.

His graduate thesis dealt with research into language teaching, the sociolinguistic analysis of student essays. His many papers in critical discourse analysis engaged, among other topics, with language and ideology and with language and prejudice. In these, he collaborated with colleagues of the „Vienna School of Critical Discourse Analysis“, time and again pinpointing sensitive aspects of postwar social and political discourse in Austria. This includes work on the discourse about Carinthian Slovenes, on nationalism, on the discursive construction of the past/s as well as on language policies for so-called ‚minorities‘, in particular Romani and Sinti. However, Florian Menz was also very involved in the methodology and methods of an interdisciplinary linguistics, an area he always strongly emphasized in teaching.

Florian Menz was a dedicated and popular university teacher. The earnestness and sincerity with which he responded to the questions, ideas and concerns of students was remarkable. He cared deeply about promoting and supporting junior researchers in his research projects, but also in his undergraduate and graduate classes.

It is not only in Applied Linguistics that Florian Menz will be sorely missed. When – in keeping with his dedication to an interdisciplinary approach – he gave lectures, held talks for medical or legal professionals, when he participated in conferences or panel discussions, people were impressed not only by his research but also by his convincing and engaging manner of communicating his research. Moreover, Florian Menz was an exceptional teacher in continued education and vocational training. For nearly twenty years and in collaboration with several departmental colleagues, he held an annual – and always fully booked – week-long seminar for school teachers and other professionals on the topic of „Language and Power/Language and Politics“.

Since 2014, Florian Menz was Head of the Department for Linguistics at Vienna University. The affable and professional way in which he headed the department, always aiming for consensus, flat hierarchies and efficient use of resources, impressed us. He has left a lasting mark on the department; the gap he leaves behind is vast.

Florian Menz is survived by his wife and three daughters, three brothers and his parents.

We grieve for a very well respected colleague. In addition, we grieve for a wonderful, solidary and very humorous friend.

On behalf of the Vienna Department for Linguistics

Rudolf De Cillia

Helmut Gruber

Johanna Lalouschek

Jürgen Spitzmüller

Eva Vetter

Ruth Wodak